“Bier trinkt sich nicht online”

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Mit diesem Zitat brachte einer unserer Gäste die Debatten des Tages treffend auf den Punkt. Doch immer der Reihe nach.

Am 07. Juni fand die Auftaktveranstaltung unserer Dialogreihe „DIGITAL im DIALOG“ im betahaus Berlin statt. Mit dabei waren unter anderen Vertreterinnen und Vertreter des Bundeskanzleramtes, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, verschiedener Landesministerien und Kommunen, sowie Forschungseinrichtungen und der Privatwirtschaft.

Das Konzept: Open Space plus

Zielstellung war es, die Bedarfe und Themen unserer Gäste im Hinblick auf digitalen Dialog zu erfragen. Dafür eignet sich das Format Open Space besonders gut. Hier legen die Gäste die Themen der einzelnen Diskussionsrunden selbst fest und bestimmen ihre eigene Agenda. Auch wir haben Themen, die uns im Arbeitsalltag umtreiben. Daher haben wir uns überlegt, wie wir diese setzen können und trotzdem in Erfahrung bringen, was unsere Gäste beschäftigt. Herausgekommen ist dabei eine Eigenkreation, die wir Open Space plus getauft haben.

 

Open Space plus Grafik 2

 

Unsere Themen: Nutzerzentrierung / Digitalisierung / Innovationsmanagement

Mit dem Beschluss des Onlinezugangsgesetzes (OZG) hat sich der Staat verpflichtet, sämtliche Behördenleistungen zukünftig digital bereitzustellen. Dadurch stehen Behörden und Ministerien vor erheblichen Herausforderungen. Über die Frage worin die Herausforderungen im Einzelnen bestehen und mit welchen Strategien diesen begegnet wird, informierte uns Sirko Hunnius. Sirko ist Senior Consultant der ]init[ AG mit dem Schwerpunkt Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung. Er plädierte dafür, dass es festzustellen gilt, mit welchen behördlichen Dienstleistungen angefangen werden soll und dass solch ein Modernisierungsprozess bestenfalls partizipativ gestaltet wird.

Wir von polidia arbeiten stets nutzerzentriert. Dies ist mit Aufwand verbunden, führt aber unserer Ansicht nach zu einem Dialogangebot, dass von den Nutzerinnen und Nutzern tatsächlich angenommen wird. Auf der anderen Seite besteht der Wunsch, Verfahren zu standardisieren, um Kosten zu senken. Wie ist also der Spagat zwischen Nutzerfokussierung und Standardisierung zu schaffen? Mit dieser Frage beschäftigte sich Katharina Große in ihrer Dissertation. So waren wir sehr froh sie als Inputgeberin für unseren zweiten Slot gewinnen zu können. Sie berichtete über ihre Erfahrungen in Baden-Württemberg, wo sie mittlerweile im Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration tätig ist und gab aufschlussreiche Einblicke in ihre Forschungsarbeit.

Wie gelingen Innovationen in Unternehmen und Organisationen? Über diese Frage unterhielten sich die Gäste mit Stina Preuß von der Mission Leben. Dabei geht es nicht nur um Fragen der technischen Realisierbarkeit. Vielmehr besteht eine große Schwierigkeit darin, einen Kulturwandel innerhalb der jeweiligen Organisation anzustoßen. Dies kann auf unterschiedlichen Wegen geschehen. Beispiele reichen von erfolgreichen Pilotprojekten, über den Versuch Personen der Führungsebene für ein Vorhaben zu gewinnen bis zur klassischen „steter Tropfen höhlt den Stein“ Methode.

Die Themen der Gäste: Zielgruppen / Methodenmix / Mitarbeiterbeteiligung

Nach der ersten Runde begann der „Marktplatz der Ideen“. Hier stellten die Teilnehmenden in maximal zwei Minuten das Thema vor, dass sie diskutieren wollten. Dabei standen die Themen „Zielgruppenorientierung“ und „Methodenmix bei der Beteiligung“ in verschiedenen Varianten im Vordergrund.

So wurde u.a. gefragt, ob eine Mischung aus qualitativen und quantitativen Beteiligungsinstrumenten am erfolgversprechendsten sei. Beispielsweise könnten durch quantitative Umfragen Themen ermittelt werden, die im Anschluss qualitativ bearbeitet werden. Auch Fragen, die in der Beteiligungsforschung schon lange diskutiert werden (Wie motiviere ich schwer erreichbare Zielgruppen zum Dialog?), standen auf der Agenda der Teilnehmenden.

Besonders spannend waren für uns auch Fragen abseits der klassischen Bürgerbeteiligung. So beschäftigte sich eine Gruppe mit der Frage wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Unternehmen beteiligt werden können.

Was haben wir gelernt?

Hier schlagen wir den Bogen zu unserer Überschrift. Wir waren positiv überrascht davon, wie oft der Bereich des Digitalen in den Diskussionen verlassen wurde. Gerade in puncto Ansprache von schwer erreichbaren Zielgruppen ähneln sich die Erfahrungen der Teilnehmenden. Eine Online Plattform alleine reicht nicht immer aus, um eine möglichst diverse Zielgruppe zu erreichen. Die Ansprache muss auch vor Ort erfolgen. Eine Tatsache, die wir auch immer wieder bei offline Beteiligungsformaten beobachten, die wir selbst durchführen.

Gleichzeitig wurde betont, dass Politik und Verwaltung oft eine andere Sprache sprechen als die Bürgerinnen und Bürger vor Ort. Ein Vorschlag zur Lösung dieser Differenz könnte darin bestehen, auf Online Plattformen „save spaces“ einzurichten. Diese erlauben es Gruppen untereinander zu diskutieren. So könnten vorhandene Hemmschwellen bei der Beteiligung abgebaut werden.

In der Feedbackrunde zum Abschluss des Tages sprachen sich die Teilnehmenden dafür aus, das Format in jedem Fall fortzuführen. Ob und wie ein Austausch zwischen den Veranstaltungen möglich ist, bleibt noch zu prüfen. Fest steht jedoch, dass wir uns jetzt schon auf die Fortsetzung freuen und wir uns auf diesem Wege nochmals bei allen Teilnehmenden für die interessanten Beiträge und Gespräche bedanken möchten.

Zum Abschluss noch ein paar Impressionen der Veranstaltung: